Frischer Blick

Peking

von Lola Akinmade Åkerström

Peking hat sich zum Ziel gesetzt, eine Pionierstellung auf dem Weltmarkt einzunehmen. Das spiegelt sich auch in der hochmodernen, komplexen Architektur und dem intelligenten Design der Stadt wider.

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Langsam treten sie aus dem grauen Nebel hervor. Wolkenkratzer, so weit das Auge reicht. Wuchtige Blöcke aus Glas und Stahl, die sich ineinander spiegeln und nahtlos ineinander überzugehen scheinen. Wie Festungen aus Metall sprießen sie überall um die Metropole der Stadt Peking aus dem Boden und mischen sich unter jahrhundertealte Wahrzeichen und die 3.000-Jahre-lange Tradition, neue Maßstäbe in Sachen Architektur zu setzen.

Die Bauwerke erzeugen die Illusion von Platz in einer dichtbesiedelten Großstadt mit mehr als 22 Millionen Einwohnern und scheinen damit eher das Werk von Zauberern als von Architekten zu sein.

Die Stadtbürgerin Nancy Niu erinnert sich an ein Zitat, das diese Magie treffend in Worte fasst: „Architekten sind wie Künstler, die die Oberfläche der Erde bemalen.“ Frau Niu kommt ursprünglich aus der schläfrigen, ländlichen Hebei Provinz und wohnt seit 2013 in Peking. Seitdem arbeitet sie hier für den Reiseanbieter China Tours.

Neulinge in Peking werden von dieser Kunst im Ingenieurbau willkommen geheißen. Das Nebeneinander von alt und neu verdeutlicht, was diese Stadt so einzigartig macht: Eine Basis aus intelligentem Design, die Jahrtausende überdauert hat. Es darf also nicht wundern, dass Peking im Jahr 2012 die renommierte und hochbegehrte Auszeichnung als UNESCO Creative City of Design verliehen wurde.

Das Peking von heute will eine Pionierstellung auf dem Weltmarkt einnehmen, und die hochmoderne, komplexe Architektur der Stadt ist dabei keine Ausnahme. Um modernes chinesisches Design zu verstehen, muss man eine Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen und einen Blick auf die revolutionären Festungen der antiken Dynastien werfen.

Die Vergangenheit

Die von der UNESCO geschützte, 8.850-Kilometer-lange Chinesische Mauer, eines der neuen Sieben Weltwunder, gilt als modernes Wunder der menschlichen Baukunst. Nur 72 km nordöstlich von Peking befindet sich der Mutianyu-Abschnitt der Mauer, der sich gewandt über den Kamm der umliegenden Bergkette schlängelt.

Etwas näher am Boden befindet sich das Alte Observatorium von Peking, das im Jahr 1442 gebaut wurde und weltweit das älteste seiner Art ist. Über Jahrhunderte hinweg betrachteten die Herrscher der Ming- und Qing-Dynastien von dort aus die Sterne und den Kosmos mit astronomischen Instrumenten – hier verschmilzt westliche Technologie mit ausgeklügeltem chinesischem Design.

Wer die kaiserliche Architektur in Reinform bewundern möchte, muss Pekings Verbotener Stadt mit ihren mehr als 8.700 Zimmern einen Besuch abstatten. „Für mich ist die Verbotene Stadt immer noch mein Lieblingsort“, sagt Nancy Niu. „Hier kann man den Einfallsreichtum der Ming und Qing Dynastien noch heute mit eigenen Augen bewundern“, fügt sie hinzu und bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass frühchinesische Kulturen außergewöhnliche Gebäude in Handarbeit aus schwer auffindbaren Materialien bauten.

Das zwischen 1407 und 1420 errichtete UNESCO Weltkulturerbe war die Heimat von 24 Kaisern, die bis ins 14. Jahrhundert zurück datieren. Die leuchtend-orangefarbene Ocker-Fassade mit den blau-goldenen Verzierungen gewährt Einblick in die DNS der chinesischen Architektur: stabil, komplex und attraktiv.

Der britische Historiker Arnold Toynbee aus dem 19. Jahrhundert bemerkte einst, dass von allen menschlichen Zivilisationen nur die chinesische Kultur mehrere Jahrtausende nahezu unverändert überstanden habe. Er führte dies darauf zurück, dass Bildung über Dynastien hinweg bis zum heutigen Tag einen hohen Stellenwert für die Bewohner des Landes eingenommen habe und sie einen unstillbaren Wissensdrang an den Tag legten.

Die Gegenwart

Das moderne China verdankt einen Großteil seines physikalischen Wandels ökonomischen Reformen und der Entwicklung des internationalen Handels in den 1980er und 90er Jahren, was die Tore des Landes für Auslandsinvestitionen und Innovationen öffnete. Mittlerweile nehmen die langjährigen Bewohner der Stadt – wie in anderen Städten auch – die Besonderheiten ihrer Heimatstadt nicht mehr wahr. „Ich habe mir nie bewusst gemacht, wie modern und fortschrittlich meine Stadt ist“, gibt Frau Niu zu, während sie durch den Central Business District schlendert, wo sich ein Großteil der markanten Bauwerke in Peking befindet.

Vom ikonischen China Central Television (CCTV) Gebäude, das einem offenen Vogelschnabel gleicht, bis zum Galaxy SOHO Einkaufsviertel, das den Eindruck vermittelt, an Bord eines Raumschiffes zu stehen, sprengen Architekten in Peking mit ihren Kreationen fortwährend die Grenzen der Kreativität und Technologie.

(Um die Entwicklung von Peking genauer zu studieren, lohnt sich ein Besuch im City Planning Exhibition Center. Dort finden Sie komplette Modelle der wachsenden Stadt mit ihren alten und neuen Gebäuden und Informationen zur Vision für die Zukunft.)

Der Künstler Wang Xinzhou hat Pekings Transformation ebenfalls mit eigenen Augen verfolgt und kann sich ein paar Kritikpunkte nicht verkneifen. Der Porträtist arbeitet in der 798 Art Zone, einer stillgelegten Militärfabrik, die zu einem Besuchermagneten mit dutzenden Kunstgalerien und Ausstellungen umgestaltet wurde. „Ich habe mitangesehen, wie sich Peking verändert hat und über die Jahre hinweg immer kommerzieller wurde“, sagt er, „aber meine Leidenschaft für Kunst hält mich hier.“

In gewisser Weise ist es diese historische Leidenschaft für Kunst, die hinter vielen modernen Kreationen in Peking steht. Als Peking im Jahr 2008 die Olympischen Spiele ausrichtete, wurde die Kreativität und Innovationskraft der Stadt auf der Weltbühne präsentiert. Im als „Vogelnest“ bekannten Nationalstadion und dem Nationalen Schwimmzentrum „Water Cube“ im Olympiapark wurden historische Relikte mit avantgardistischem Design vereint.

Die Zukunft

Das höchste Gebäude in Peking, China Zun, befindet sich derzeit im Bau. Nach seiner Fertigstellung soll es 108 Stockwerke umfassen.

Wie ein schlafender Riese wird es sich zusammen mit anderen Hochhäusern in den Dunst über der Stadt erstrecken und zu den architektonischen Meisterwerken der Millionenstadt gesellen. Die Architekten der Stadt sind Künstler, die die Grenzen der Kreativität immer wieder neu definieren.

„Selbst Meister ihrer Kunst müssen jeden Tag etwas Neues dazulernen“, sagt Frau Niu.


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