Chefinnensache

So fördern Sie die organisatorische Intelligenz in vier Schritten

von Cara Cannella

Renie Cavallari hat Ihre Karriere damit verbracht, Geschäftsleute bei der Persönlichkeits- und Unternehmensentwicklung zu unterstützen. In vier Schritten erläutert sie, wie Sie die organisatorische – und emotionale – Intelligenz innerhalb Ihres Unternehmens unmittelbar erweitern können.

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Wenn Renie Cavallari einen Fahrstuhl betritt, ist sie sich stets genau bewusst, mit wem sie die wenigen Quadratmeter Raum teilt. Anstatt starr auf ihr Handy zu blicken, sucht sie den Augenkontakt ihrer Mitfahrer und fragt diese, wie es ihnen geht oder was sie in die Stadt bringt. Für die Gründerin der Firma Aspire mit mehr als 20 Jahren Erfahrung als CEO ist das gezielte Knüpfen von Kontakten – sowohl mit Kunden als auch innerhalb deren Organisationen – eine leichte Übung.

Vom Firmensitz in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona aus bietet Aspire Beratung in den Bereichen Marketing, Führungskräfte- und Strategieentwicklung, sowie Schulungsprogramme für Boutique-Anbieter und internationale Organisationen im Gastgewerbe und erreicht damit mehr als eine Million Mitarbeiter.

Mit Themen wie Teambuilding oder Kulturanpassung hilft Frau Cavallari Menschen, ihre Kompetenzen in einem Bereich zu verbessern, der Top-Führungskräfte und erfolgreiche Unternehmen auszeichnet: emotionale Intelligenz. Emotionales Engagement im Büro (selbst im Aufzug auf dem Weg zur Arbeit) wirke sich direkt auf die Steigerung der organisatorischen Intelligenz aus, sagt sie, und schaffe so einen wichtigen Unterscheidungsfaktor im globalen Wettbewerb.

Um die Kreativität und Problemlösungskompetenz innerhalb Ihres Unternehmens sowie darüber hinaus zu fördern, empfiehlt sie die folgenden vier Tipps.

1. Starten Sie mit einem „Ja“-Ansatz.

Innerhalb eines jeden Teams befinden sich Mitglieder aus verschiedenen Lebenslagen und Berufsabschnitten, hebt Cavallari hervor. Dabei gibt es garantiert jemanden, der grundsätzlich gegen alles ist. Cavallari bezeichnet diese Art Mensch als CAVE-Typ: „Constantly Against Virtually Everything“.

Wenn Ihr Gegenüber “Nein“ als Grundposition vertritt (solche Menschen kennen wir alle), sollten Sie von vornherein eine „Ja“-Haltung einnehmen. Wenden Sie sich direkt an die Person, deren Negativität das Diskussionsklima beeinträchtigt, mit den Worten: „Mir ist klar, dass das so für dich keine Option ist. Was müssen wir als Erstes tun, um auf eine Linie zu kommen?“ Indem Sie den Blickwinkel der Person anerkennen, helfen Sie dieser, Raum für neue Ideen zu schaffen, ein gefühltes Hindernis zu überwinden.

2. Schaffen Sie Verbundenheit.

Viele Menschen glauben, dass Verbundenheit nur dann entstehen kann, wenn die zwischenmenschliche Chemie stimmt. Dem sei nicht so, betont Frau Cavallari. Bei der richtigen Chemie spüren Sie, dass Sie etwas gemeinsam haben – Sie befinden sich auf gleicher Wellenlänge. Doch was ist, wenn sich dieses Gefühl nicht von Anfang an einstellt?

Laut Frau Cavallari wäre es falsch, sich zurückzuziehen oder abweisend zu reagieren. Auch wenn die Chemie fehlen sollte, besteht die Chance, Verbundenheit zu schaffen, indem Sie die andere Person näher kennenlernen. Eine enge Verbindung bildet eine gemeinsame Basis, auf der Vertrauen entstehen kann. Doch der Weg dorthin ist nicht immer einfach.

Wenn ein neuer Mitarbeiter dem Unternehmen beitritt und Stellen und Prozesse umstrukturiert, könne sich dies negativ auf die Verbundenheit auswirken, erklärt sie. Dieses Risiko bestehe auch bei der Fusion zweier Unternehmen. „Wenn wir es nicht schaffen, eine gemeinsame Basis herzustellen und die gegenseitigen Ängste auszuräumen, entsteht ein Gefühl von Widerstand“, sagt Cavallari. „Deshalb müssen Sie Verbundenheit bewusst herstellen und Beziehungen aufbauen, die Ihnen ermöglichen, den Wandel voranzutreiben.“

3. Setzen Sie auf „saubere“ Kommunikation.

Je stärker unsere Verbundenheit, desto effektiver sei unsere Kommunikation, sagt Frau Cavallari und weist dabei auf Ihre Beziehung mit der Geschäftsleitung Ihrer Firma hin. „Wir können uns zusammensetzen und den Kopf über schwerwiegende Probleme zerbrechen und dabei völlig unterschiedlicher Meinung sein, aber dank unserer engen Verbundenheit finden wir immer einen Ausweg“, sagt sie. Ein wichtiger Grund für diese gute Zusammenarbeit sei eine „saubere“ Kommunikation.

Klare Kommunikation, erklärt sie, bedeute, die Dinge beim Wort zu nennen. „Saubere“ Kommunikation erfordere dagegen, dass jeder Teilnehmer sich bewusst macht, wie diese Worte von seinem Gegenüber aufgenommen werden. Der Unterschied sei fein aber bedeutend.

„Saubere Kommunikation bedeutet, ich übernehme die Verantwortung dafür, dass meine Worte effektiv bei meinem Publikum ankommen und ich tatsächlich verstanden werde“, erklärt Frau Cavallari und verweist damit auf ein Problem aller sprachlichen Kommunikation: den richtigen Ton zu finden und zu kontrollieren, was zwischen den Zeilen durchdringt. „Oft denken wir, die Leute hören uns nicht zu, dabei bemühen wir uns möglicherweise einfach nicht genug, sicherzustellen, dass sie uns verstehen.“

4. Schaffen Sie eine Mentalität der Selbstbestimmung.

Frau Cavallari weiß all ihre Mentoren zu schätzen, egal ob männlich oder weiblich. Doch ihrer Ansicht nach müssen weibliche Führungskräfte ein besonderes Augenmerk auf die Weiterentwicklung anderer Frauen legen. Deshalb hat sie eine Einrichtung ins Leben gerufen, die Mädchen auf Führungsrollen vorbereitet: das Wings to Fly Summer Camp, das inzwischen mit der Girls Rule Foundation verschmolzen ist. Auch ihr aktives Engagement für Frauen – ob in Form von Coaching, Blog-Artikeln oder kostenlosen Vorträgen für Organisationen, die Mädchen und Frauen unterstützen – ist hierauf zurückzuführen.

„Mein Lebensstil ist nur möglich, weil ich ein ganzes Dorf hinter mir stehen habe“, sagt sie – ein Dorf, das sie nicht nur in ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung bestärkt, sondern auch dabei, andere zu ermutigen, ihrem Beispiel zu folgen.

Für Frau Cavallari bedeutet diese Art Bestärkung, eine Mentalität der Selbstbestimmung zu schaffen: Wie kann ich mich von der Masse differenzieren? Wie kann ich gleichzeitig wagemutig und stark sein und dabei ladylike bleiben? Wer andere ins Rampenlicht rückt, wird selbst Anerkennung gewinnen, sagt sie. Diese Art der Zusammenarbeit unter Kollegen jeden Tag miterleben zu dürfen, sei ihre Motivation.