6 Fragen

6 Fragen an Guy Raz

von Heather Freiser

Ob er sein Publikum auf eine narrative Reise mit den faszinierendsten TED Referenten führt, die je auf der Bühne gestanden haben, oder mit Mark Cuban darüber spricht, wie sich ein Scheitern auf den Erfolg auswirken kann – NPR-Moderator Guy Raz, dessen Sendung zu den erfolgreichsten in der Geschichte des nichtkommerziellen Rundfunks in den USA zählt, ist normalerweise derjenige, der die Fragen stellt. Doch dieses Mal waren wir dran.

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Unsicherheit. Ein Wort, das wir oft hören – Unsicherheit auf den Märkten, in der Politik, im aktuellen Wirtschaftsklima. Ein Wort, das Unternehmern gut bekannt ist und mit dem erfolgreiche Unternehmer besser umgehen können als jeder andere.

Stichwort für Guy Raz, Moderator der NPR-Sendungen „How I Built This“ und „TED Radio Hour“. Raz hat einige der bekanntesten Wirtschaftsgrößen der Welt zu ihren Erfolgen und Misserfolgen befragt.

Sein Ziel? Seinem Publikum das Gefühl zu vermitteln, dass auch in unsicheren Zeiten Chancen bestehen. Nennen wir ihn einfach den „optimistischen Unternehmer“. Aber wie er selbst sagt: Optimismus ist nicht immer einfach.

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Was haben Sie daraus gelernt, zwei der erfolgreichsten NPR-Podcasts von Grund auf neu zu starten?

Ich habe gelernt, dass die eigenen Erwartungen davon, wie es laufen wird, nie der Realität entsprechen. Es ist immer viel schwerer, als man denkt.

Außerdem habe ich gelernt, dass man auch in einer großen Organisation, in der es bestimmte etablierte Vorgehensweisen gibt, Ideen verwirklichen kann, wenn man sich dafür engagiert und einen Weg findet. Als ich anfing, habe ich viel Zeit damit verbracht, über verschiedene Unternehmer zu lesen, und diese Menschen haben mich enorm inspiriert. Dies waren keine Leute, die einfach nur Glück hatten. Ich suchte nach Storys von Menschen, die ganz unten anfingen und große Risiken eingingen. Das gab mir das Gefühl, dass ich meine Ideen nicht aufgeben sollte.

Sie haben mehr als 6.000 Menschen interviewt und vorgestellt. Haben Sie Favoriten?

Die Leute, die mich inspirieren, sind oft nicht die großen Namen, die jeder kennt. Cathy Hughes, Gründerin von Radio One. Sie war mit 19 alleinerziehende Mutter und arbeitete im Radiosender der Howard University. Sie war so zielstrebig, dass sie zur Geschäftsführerin aufstieg. Dann wollte sie Chefin werden. Und mit enormem Durchhaltevermögen bekam sie das Geld zusammen, um einen Sender in Washington, D.C. zu kaufen. Sie ging zu 32 Banken, um ein Darlehen aufzunehmen. Alle lehnten ab. Doch sie gab nicht auf. Bank Nr. 33 willigte schließlich ein.

Sie kaufte die Radiostation, die mit Verlust arbeitete. Wieder gab sie nicht auf. Sie schlief mit ihrem Sohn auf der Couch im Sender. Und die Firma begann zu wachsen. Der Sender verkaufte mehr Werbeplätze, gewann Zuhörer. Schließlich studierte ihr Sohn BWL in Wharton. Und half ihr, das Unternehmen in ein Multimillionen-Dollar-Imperium zu verwandeln. Eine fantastische Geschichte. Sie ist eine unglaubliche Philanthropin und Geschäftsfrau. Und sie fing ganz unten an. Sie hatte keinerlei Begünstigungen. Sie hat etwas aufgebaut, weil sie fest entschlossen war.

Welche Rolle spielen Misserfolge für erfolgreiche Unternehmer?

Ich glaube nicht, dass man sein ganzes Potenzial als Unternehmer realisieren kann, wenn man keinen Misserfolg erlebt hat. Und ihn nicht nur erlebt, sondern wirklich analysiert hat. Es geht nicht nur ums Scheitern, sondern ums Scheitern und darüber Nachdenken. Man muss verstehen, welche wichtige Rolle ein Misserfolg für das Endergebnis gespielt hat.

Eines der besten Beispiele hierfür war Instagram. Normalerweise würde man da nie von einem Misserfolg sprechen, doch am Anfang hatte Instagram mit Fotos gar nichts zu tun. Zuerst war es eine Check-in-App, ähnlich wie Foursquare, namens Burbn, und Gründer Kevin Systrom kam damit nicht weiter. Es war ein Misserfolg. Doch das brachte ihn dazu, intensiver darüber nachzudenken, wie wir Erlebnisse miteinander teilen. Und so kam er auf die Idee, eine App zum Teilen von Fotos zu entwickeln, zu einer Zeit, als noch nicht so viele Fotos in die sozialen Medien gestellt wurden.

Wie wichtig ist „Unternehmergeist“ am Arbeitsplatz?

Enorm wichtig. Unternehmertum bedeutet nicht, dass man es alleine oder draußen machen muss. Eine Umgebung, die es unterstützt, ist hilfreich. Wenn ein Unternehmen zu starr ist, scheitert es letztendlich. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern genügend Raum zum Wachsen geben, sind sie erfolgreich.

Welche Eigenschaften sind erfolgreichen Unternehmern gemein?

Letztendlich kommt es darauf an, dass man sich ins Zeug legt. Beispielsweise Unternehmer wie Jim Cook, der Gründer von Boston Beer. Er ging mit einer Kühlbox von Bar zu Bar und forderte die Barkeeper auf, sein Bier zu probieren. Wer von seiner Idee überzeugt ist, findet einen Weg.

Zweitens ein absoluter, unerschütterlicher Optimismus. Diese Unternehmer tragen den Kopf nicht in den Wolken. Sie sind auch realistisch. Sie haben die Fähigkeit entwickelt, über den unmittelbaren Moment hinauszusehen und zu wissen, dass es gut gehen wird.

Und zu guter Letzt: Flexibilität. Nehmen wir beispielsweise das Spielwarenunternehmen Melissa & Doug. Zuerst produzierte es Videos für Kinder. Dann begann die Firma, Holzpuzzles herzustellen, und hatte enormen Erfolg damit. Und seitdem hat es sich wahnsinnig vergrößert.

Sie sind mit Melissa & Doug nicht nur durch Interviews vertraut. Sie sind auch Vater. Wie haben Ihre Kinder Ihre Weltsicht und Ihre Ziele verändert?

Ich versuche ständig, mich zu verbessern. Wir alle haben schlechte Tage und negative Gedanken. Glücklich zu sein, ist harte Arbeit. Manchen Leuten fällt es leicht, aber die meisten von uns müssen sich darum bemühen. Man muss an seiner Sicht von der Welt arbeiten. Man muss den Menschen, die man liebt, Zeit widmen. Man muss Sport treiben. Man muss den Hintern aus dem Bett kriegen und zupacken.

Doch das Wichtigste, was ich tun kann, ist eine gute Partnerschaft vorzuleben. Meine Frau ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Wenn wir unseren Kindern zeigen können, dass wir eine Partnerschaft haben, die auf gegenseitiger Unterstützung basiert, dann werden sie irgendwann auch einen Partner finden, mit dem das ebenso ist.