TED Inspiration

Während Bibliotheken zu Drehscheiben der Kultur werden, bringen TED-x Events die Gemeinschaft ins Spiel

von Becky Chung

Bibliotheken sind seit jeher Orte, die Wissen vermitteln und den sozialen Dialog fördern. Heute eröffnen uns TEDx-Events die Möglichkeit, die digitale Kluft des 21. Jahrhunderts zu überbrücken und Gemeinschaften zusammenzubringen.

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Als Architekt Joshua Prince-Ramus die Seattle Central Library neu gestaltete, hatten er und sein Team nicht vor, die Zukunft von Bibliotheken oder Büchern zu bestimmen. Vielmehr basierten ihre Entwürfe auf zwei grundlegenden Ideen: Bücher sind eine Form von Technologie, und die Bibliothek ist sowohl soziale Drehscheibe als auch ein Haus für die Medien. Auch wenn Joshua Prince-Ramus sich dessen nicht bewusst war, hatte er den richtigen Riecher. Acht Jahre später passen sich Bibliotheken weltweit an eine digitale Welt an und stellen sich ihrer neuen Identität als Zentren der Gemeinschaft. So zum Beispiel durch die Organisation von TEDx-Events.

In Juneau, Alaska, gibt es drei öffentliche Bibliotheken: eine Ruheoase inmitten eines Einkaufszentrums, eine Außenstelle, die bei der örtlichen Feuerwehr untergebracht ist, und eine Zentralbibliothek über einer Parkgarage, die auf den Gastineau Channel blickt. Robert Barr, der Leiter aller drei Einrichtungen, war an der Organisation von TEDx-Events interessiert, da diese sich in die Mission der Bibliothek einfügen, eine sozial engagierte Gemeinschaft zu schaffen. „Bibliotheken sind für die sozial engagierte Arbeit bestens geeignet, da sie innerhalb der Gemeinschaft zu jenen Orten gehören, die Wert auf Objektivität und Neutralität legen“, sagt er. Für Barr war die Juneau Public Library der perfekte Ort, an dem die Gemeinschaft offene Diskussionen und Gespräche führen und sich über die komplexen und anspruchsvollen Themen austauschen kann, die in TED Talks angesprochen werden.

Für die erste TEDxJuneauLibrary, die an dem zentralen Standort durchgeführt wurde, wählte Robert Barr das Thema „Glück“ und kombinierte Malcolm Gladwells Erkenntnisse bezüglich unserer Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten mit Dan Gilberts Forschungen zur Wissenschaft vom Glück und Ben Zanders Leidenschaft für klassische Musik. Nach der Vorführung diskutierten die Teilnehmer angeregt darüber, wie sie persönlich Glück definieren.

Seitdem werden monatliche Veranstaltungen in diesem Format angeboten, zu einer breiten Palette an Themen, die von Kommunikation über Erfolg und Bildung bis hin zu Kreativität reichen.

„Technik spielt in unserem Leben eine immer größere Rolle, und damit wird auch die Gefahr immer größer, dass wir uns nur noch mit den Leuten austauschen, die genauso denken wie wir“, sagt Robert Barr. „Doch damit unsere Demokratie und unsere Lebensweise funktionieren, müssen wir unsere Fähigkeit stärken, Kompromisse einzugehen und Einigkeit zu erzielen – und das erreichen wir, indem wir gemeinsam mit den Menschen arbeiten, denken und sprechen, die sich außerhalb unserer Komfortzone befinden.“

Petar Lukačić organisiert mit TEDxKoprivnicaLibrary in Kroatien den einzigen in einer Bibliothek Europas stattfindenden TEDx-Event. Er stimmt Barrs Meinung bezüglich der Bedeutung von Bibliotheken zu. „Bibliotheken sind für jeden frei zugänglich und bieten Dienste an, die das formelle und informelle Lernen unterstützen“, sagt er. Bibliotheken sind nicht nur Orte, an denen man Bücher ausleiht, sondern „Zentren der Gemeinschaft“, die das lebenslange Lernen fördern, sagt er. Bevor sie von TEDx erfuhren, hatten Petar Lukačić und sein Team überlegt, einer kleinen Gruppe regelmäßiger Bibliotheksbesucher neben anderen Lernvideos auch TED Talks vorzuführen. Als sie vom TEDx-Programm hörten, beantragten sie eine Lizenz. Später luden sie zusätzlich zur Vorführung von Gesprächen aus der TED-Talks-Bibliothek auch lokale Referenten ein.

Alle TEDxKoprivnicaLibrary-Veranstaltungen haben ein gemeinsames Thema, sagt Lukačić. „Wir haben uns dem Motto verschrieben: Große Ideen in einer kleinen Stadt.“ Unlängst malte einer der Redner auf einer Veranstaltung im Mai ein Wandbild mit einem Zitat des kroatischen Dichters Fran Galović. Mindestens 80 Besucher waren anwesend und es war das erste Mal, dass auch Redner von außerhalb dabei waren.

Auf der anderen Seite des Erdballs organisiert Christa Lehnen in einer Bibliothek in der kanadischen Kleinstadt Goderich bereits seit 2012 die TEDxGoderichLibrary. „Jeder ist willkommen“, sagt sie. Die Veranstaltungen werden im Informationsheft der Bibliothek angekündigt und genau wie die Events, die Robert Barr in Juneau organisiert, steht im Anschluss an die Vorführung von TED Talks die offene Diskussion im Mittelpunkt. Im Laufe der Jahre hat die TEDxGoderichLibrary sich mit Themen wie Online-Zusammenarbeit, Sprache und Technik, Glück und Bildung befasst.

Für Christa Lehnen sind Bibliotheken dazu da, der Information und der Unterhaltung dienende Inhalte bereitzustellen, und die Formate, in denen dies geschieht, wandeln sich schnell. „Wir haben Datenbanken, Videospiele, Online-Videos und -Zeitschriften sowie E-Books, auf die jederzeit außerhalb der Bibliothek zugegriffen werden kann,“ sagt sie. TEDx-Events sind ein neues Format, das den Menschen neue Ideen und Perspektiven mit auf den Weg gibt, sagt sie, und das hilft ihnen in ihrem Bestreben, besser informiert zu sein.

Petar Lukačić glaubt, dass gerade die „digitale Kluft“ dafür sorgen wird, dass öffentliche Bibliotheken wieder vor allem zu Zentren der Gemeinschaft werden. „Wir können zwar über E-Books und im Internet verfügbare Informationen reden, doch sind diese überhaupt für jedermann zugänglich?“, fragt er. „Man benötigt einen E-Reader, um ein E-Book zu lesen; man muss für den Internetzugang bezahlen und braucht einen Computer, ein Tablet, einen Laptop oder ein Smartphone, um auf Online-Informationen zuzugreifen. Doch was ist mit den Leuten, die all dies nicht haben?“ Das Schöne an Bibliotheken, sagt er, ist, dass sie diese Kluft überwinden können – wenn sie sich entsprechend anpassen.

Lee Miller, Direktorin der Butte-Silver Bow Public Library in Butte, Montana, verfolgt genau dieses Ziel: ihre Bibliothek anzupassen. Im Laufe des vergangenen Jahres hat sie den Bau einer Kunstgalerie im Gemeinschaftsbereich der Bibliothek beaufsichtigt. Dort fand im Februar die erste TEDxButtePublicLibrary statt, in deren Mittelpunkt ein Simulcast der TED2014-Konferenz stand. Die neue Räumlichkeit wurde teilweise aufgrund der gewachsenen TEDx-Community der Bibliothek sowie des Bedarfs an einem größeren Ort für die Durchführung von TEDx-Events und weiteren Bildungs- und Kunstprogrammen geschaffen.

TEDxButtePublicLibrary bietet den Menschen die Gelegenheit, die Gespräche gemeinsam anzusehen, ist darüber hinaus aber auch eine Chance für wissbegierige Denker, miteinander in Verbindung zu treten. Lee Miller hat letzten Sommer ihre erste Veranstaltung mit Live-Rednern organisiert und dafür drei örtliche Persönlichkeiten zusammengebracht – einen Vertreter aus der Welt der Kunst, eine Aktivistin und einen „Liebhaber besonderer Spirituosen“ – die über ihre Erfahrungen bezüglich des Arbeitens und Lebens in Butte berichteten. Dieses Jahr hat sie einen Redner eingeladen, der die Geschichte von Butte in- und auswendig kennt, und auch ein Business-Professor und eine Sound-Künstlerin stehen auf dem Programm. Gemeinsam mit ihrem Team plant sie derzeit Simulcast- und Redner-Events für das nächste Jahr.

Lee Miller beschreibt Bibliotheken als einen „dritten Ort“ – eine soziale Umgebung, die sich von Arbeitsplatz und Zuhause unterscheidet. „Bibliotheken sind seit jeher Orte, die Wissen vermitteln und den sozialen Dialog fördern“, sagt sie.

Für Robert Barr in Juneau ist die Arbeit in der Bibliothek gerade jetzt sehr spannend. „Unsere Mission und die Arbeit, der wir uns verschrieben haben, wachsen exponentiell und sehr schnell“, sagt er. Im ganzen Land schaffen große und kleine Bibliotheken Raum für die schöpferische Betätigung, unterstützen die Unternehmensentwicklung und ermöglichen es den Nutzern sogar, Angelruten, Mikroskope und Teleskope auszuprobieren. „Die Weiterentwicklung erfolgt selektiv, je nach dem, was die jeweilige Gemeinschaft am meisten von ihrer Bibliothek benötigt.“ Juneau ist für ihn eine „politisch gespaltene“ Gemeinschaft, deshalb stand für Robert Barr vor allem der Bedarf an Dialog und Diskussion im Vordergrund.

Er spricht von einer neuen Bibliothek in Mendenhall Valley, einer der am dichtesten besiedelten Regionen Alaskas, die 2015 eröffnete. Die Anlage erstreckt sich auf 1.800 Quadratmetern und ist damit doppelt so groß wie die Vorgängerbibliothek. Sie umfasst einen großen und fünf kleinere Meetingbereiche. Einer dieser Räume, sagt er, ist ein Treffpunkt für die TEDxJuneauLibrary.

 

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